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Borussia Dortmund verliert, das ZDF gewinnt

Alle Karten außerhalb des Gästeblocks sind personalisiert. Spätestens als Marco Reus nach dem Sieg gegen Frankfurt das Trikot des beim Bomben-Anschlag verletzten Mitspielers Marc Bartra vor der Südtribüne auf den Rasen legt, wird allen klar, wie unwichtig Fußball sein kann. BVB-Anhängern, die Eintrittskarten nicht über Borussia Dortmund gekauft haben, kann der Eintritt verwehrt werden. Und doch wurde die gesamte BVB-Mannschaft ins Stadion gezwungen. Borussia Dortmund darf das bis heute nicht. Die Fanbeauftragten von Borussia Dortmund raten deswegen allen Anhängern zu einer frühen Anreise, zumal es beim Gästeblock-Eingang nur zwei Drehkreuze gibt. Viele BVB-Fans sind in Nizza untergekommen und werden von da abends mit dem Zug nach Monaco fahren. Wie würden Sie reagieren, wenn jemand Bomben zündet, um Sie zu töten? Würden Sie sich zurückziehen, würde so was Ihren Alltag zur Nebensache degradieren lassen? Oder würden Sie die Erinnerungen bewusst verdrängen? Jeder Mensch verarbeitet schreckliche Dinge anders. Die Fanbeauftragten raten deswegen davon ab, Karten über andere Anbieter zu beziehen. Fans und Mannschaft werden zur Symbiose. Auf Twitter tauchen sogar Bilder von Fans auf, die ein zweigesteiltes Trikot tragen: eine Seite BVB, die andere Seite AS Monaco. Schon am Mittag sind an der Promenade des Anglais in Nizza die ersten schwarz-gelben Anhänger zu sehen. Gefangen im Profigeschäft zwischen Terminen und Vorbildfunktion Für den Moment rückte der Terror beim Spiel gegen Frankfurt in den Hintergrund. Zu einem Geflecht, das allen hilft. Gefangen im Profigeschäft zwischen Terminen und Vorbildfunktion. Der BVB wird ins Stadion gezwungen Tuchel sprach vom schlimmsten Tag seines Lebens. Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB in der vergangenen Woche setzte sich die Uefa über den Willen der Spieler, Betreuer und Verantwortlichen hinweg und verdonnerte sie zum Alltag.

Im kleinen Stade Louis II (18.523) werden sich die Schwarz-Gelben lautstark bemerkbar machen.

Das Spiel selbst wurde nach dem Vorfall zur Pflichtaufgabe, eine Fußnote in der Statistik ohne Bedeutung. Jeder entscheidet selbst, wie er damit umgeht. Die Kontrollen am Stadion werden durch die Polizei durchgeführt und sehr intensiv sein. Die monegassische Zeitung „Monaco-Matin“ etwa begrüßt Borussia Dortmund: „Willkommen“ steht in Deutsch groß auf der Titelseite. Sie öffneten sich, kritisierten die Uefa. Nebenbei Gespräche vom Handy führen und selbst den Alltag wiederfinden. Nach dem Schlusspfiff stammelten die Spieler keine Phrasen. Keine 24 Stunden nach dem Angriff stand im Terminkalender von Thomas Tuchel das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen den AS Monaco, vielleicht noch umrahmt von einem Zahnarzttermin und einer Erinnerung an den Geburtstag eines Freundes. Kapitän Marcel Schmelzer sagte, ihm sei die Ablenkung während der 90 Minuten leichter gefallen als noch gegen Monaco. Kontrollen werden von der Polizei durchgeführt Auch das Rückspiel wird aber durch den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus vor acht Tagen beeinflusst. Etwa 1.300 Fans werden Borussia Dortmund beim Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales am Mittwochabend (20.45 Uhr) gegen die AS Monaco unterstützen. Der eng getaktete Kalender des Spitzenteams ließ keinen Raum zum Verarbeiten – Tuchel schickte seine Mannschaft kurz nach den schrecklichen Erlebnissen wieder zum Training, dann ins Stadion, Bundesligaspiel gegen Frankfurt. Dass Profis aber auch Menschen sind, interessierte niemanden. Dafür wird an der Côte d'Azur die neu entstandene Fanfreundschaft zwischen den Monegassen und den BVB-Anhängern gepflegt.


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